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Er kenn t sich aus bei der süßen Nachtruhe: Dr. Jürgen Zulley, Leiter des Schlafmedizinischen Zentrums an der Universität Regensburg und Pampers-Schlafexperte weiß, dass es die schlafwandlerische Sicherheit nicht gibt und was die richtige Windel mit der geistigen Entwicklung des Babys zu tun hat. Daher erklärt er für Pampers aus wissenschaftlicher Sicht, warum 12 Stunden goldener Schlaf gerade für Babys so wichtig ist.
Herr Dr. Zulley, Schlafen Babys anders als Erwachsene? Grundsätzlich geht es bei beiden um Regeneration und Aufbau. Auch die drei Arten von Schlaf – ruhiger Schlaf, REM-Phase und die Übergangsphase zwischen den beiden – ist bei Groß und Klein gleich. Der große Unterschied in der Art des Schlafes beim Baby ist, dass es etwa 50 Prozent in der REM-Phase verbringt, der Erwachsene nur 25 Prozent. Das ist die Phase, in der Erlebtes verarbeitet wird. Außerdem schläft ein Neugeborenes natürlich sehr viel, mit 16 bis 20 Stunden täglich bedeutend länger als ein Erwachsener.
Das bedeutet, Babys sind auch nachts ganz schön aktiv? Ganz genau. Schlaf spielt für das Lernverhalten eines Babys eine wichtige Rolle, da er die kognitive Entwicklung unterstützt und fördert. Wenn das Baby schläft, spielen sich alle Erlebnisse im Kopf noch einmal ab. Die bereits erwähnte REM-Phase wird auch aktive Schlafphase genannt, da zucken und lächeln Babys, verziehen das Gesicht, bewegen ihre Augen und geben Geräusche von sich – das sind alles Zeichen, dass sie träumen. Während dieser Phase können sie das am Tag Erlebte einordnen und speichern.
Welchen Stellenwert hat tiefer erholsamer Schlaf für die Kleinsten? Gut zu schlafen ist eine Grundvoraussetzung für die gesunde Entwicklung eines Babys. Daher ist es wichtig, dass das Baby dabei nicht gestört wird – etwa durch eine nasse Windel, die nächtliches Wickeln nötig machen würde. Denn nur im ungestörten Schlaf wird das Wachstumshormon ausgeschüttet und die Reifung des Gehirns findet statt.
Gibt es einen Unterschied zwischen dem Schlaf am Tag und in der Nacht? Bei Neugeborenen noch nicht. Sie brauchen wie gesagt auch den Schlaf am Tag, um auf die 16 Stunden zu kommen. Doch schon nach einigen Monaten prägt sichein gewisser Rhythmus aus und die Kinder sind eher tagsüber wach. So passt es sich langsam an den 24-h-Rhythmus an. Beim Erwachsenen schließlich gilt, dass Tagschlaf nicht so erholsam ist wie Nachtschlaf, da die innere Uhr tagsüber auf Aktivität gestellt ist. Da ist einfach eine erhöhte Anspannung und Erregung vorhanden, erst nachts legt sich dieser Schalter um.
Kann man Kindern dann überhaupt einen Schlafrhythmus anerziehen? Aufzwingen kann man ihn sicher nicht, davon rate ich auch ganz entschieden ab. Aber Strukturierungshilfen sind sehr wohl wichtig. Es gab da eine Studie auf einer Frühgeborenen-Station, wo konstant ein diffuses Licht brannte. Bei der anderen Gruppe wurde per Licht eine Tag-Nacht- Simulation erzeugt. Das Ergebnis: Mit dem vorgegebenen Tag-Nacht-Rhythmus haben sich die Frühchen bedeutend besser entwickelt.
Wie kann das Einschlafen erleichtert werden? Ruhe ist das A und O – das gilt auch für Erwachsene. Kinder sollen lernen, dass es eine Zeit des Spielens und eine Zeit der Ruhe gibt. Das müssen die Eltern natürlich dementsprechend signalisieren. Es geht nicht, dass man vom Kind erwartet, es solle schlafen, wenn nebenan bei den Großen die Post abgeht. Daher ist es begrüssenswert, wenn sich die Erwachsenen kurz mit den Kleinen hinlegen, damit diese die Nähe ihrer Eltern spüren und langsam abschalten.
Ist das ein Plädoyer für das „Co-Sleeping“? Ja. Wenn Kinder bei den Eltern im Bett Schlafen und Körperkontakt haben, bedeutet das einen einfühlsamen, moderaten Umgang miteinander. Viele Eltern befürchten dann allerdings, dass sie die Kinder nie wieder aus dem Schlafzimmer bekommen, doch das reguliert sich normalerweise von selbst. Irgendwann wollen Kinder allein schlafen. Bis dahin sollte man sie langsam und ohne Zwang darauf vorbereiten: Zuerst im Elternbett schlafen lassen, dann in einem Bett neben dem der Eltern und so kriegt man sie langsam immer weiter weg. Übrigens klappt das Co-Sleeping auch, wenn Geschwister sich ein Zimmer teilen – das vermittelt ebenfalls ein Gefühl von Vertrautheit.
Wie sieht die ideale Schlafstätte für Groß und Klein aus? Ruhe ist wichtig und relative Dunkelheit. Ich sage relativ, denn absolute Dunkelheit kann manchmal bewirken, dass man sich unwohl fühlt. Im Stockdunkeln verliert man leicht die Orientierung. Außerdem sollte eine Raumtemperatur von etwa 18 Grad herrschen. Der Raum muss positiv sein: Mit schönen Farben gestaltet, ohne Fernsehapparat oder PC darin und – für Erwachsene – ohne etwas darin, das auf Arbeit hindeutet. Bei Kindern helfen auch Rituale, wir nennen das monotone Stimulation, etwa eine Gute-Nacht-Geschichte oder ein Schlaflied. Kinder wollen diese Rituale und verlangen dann zum Beispiel immer dasselbe Lied. Außerdem beruhigt der immer gleiche Ablauf der Abendhandlungen, zum Beispiel baden, wickeln, kuscheln und dann ins Bett legen.
Kann es im Schlaf auch gefährlich werden? Da fallen mir bei Kindern zwei Dinge ein: Schlafwandeln und der plötzliche Kindstod. Um letzterem vorzubeugen, gilt es alles zu vermeiden, was die Atmung des Babys behindern könnte: Möglichst nicht in Bauchlage schlafen lassen, keine Stofftiere und Polster im Kinderbett, keine Überhitzung des Raums. Auch das einst so beliebte Schaffell als kuschelige Unterlage kann gefährlich werden, da es zur sogenannten Rückatmung kommen kann: Das Kind atmet in eine Mulde und atmet immer wieder die bereits verbrauchte Luft ein – und bekommt so zuwenig Sauerstoff.
Ein zweites Thema ist das Schlafwandeln. Das kommt bei Kindern und Jugendlichen sehr häufig vor und ist an sich keine Gefahr, die Auswirkungen allerdings schon: Die so genannte „schlafwandlerische Sicherheit“ gibt es nämlich nicht, daher muss die Umgebung sicher gemacht werden.
Herr Dr. Zulley, wie haben Sie denn heute geschlafen? Gut. Dabei war das ja eine Nacht von Sonntag auf Montag, in der man klassisch schlechter schläft – wegen der Arbeitswoche, selbst wenn einem die Arbeit Spaß macht. Trotzdem ist man dann schon etwas angespannter und so war es bei mir auch. Das entspannte Wochenende ist vorüber und man ist gedanklich schon wieder im Job – das wirkt sich auf die Schlafqualität aus.
Danke für das Interview!
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