Nicht nur in der Urlaubszeit gilt: Das Leben Alleinerziehender ist oft kein Honiglecken: Kinderbetreuungseinrichtungen haben nicht nachvollziehbare Öffnungszeiten, das Geld für den Urlaub ist knapp und überhaupt: Wo bleibt der Partner, der mit einem Luftschlösser baut? Vor welchen Herausforderungen Singles mit Kindern stehen – und wie diese besser zu meistern sind.
„Ich wollte nie ein Alleinerzieher sein.“ Ein Gedanke, den alle Alleinerziehenden kennen. Die Erwartungen waren groß. Die Liebe auch, anfangs, als alles passend und unzerbrechlich schien. Dann kamen ein oder mehrere Kinder, die das Liebesglück perfekt machten. Und heute? Was einmal eine Familie aus dem Bilderbuch war, ist plötzlich ein Scherbenhaufen geworden. Zwei Erwachsene und die Kinder, die dazwischen stehen.
Das Leben ist kein Bilderbuch
301.900 Alleinerziehende gibt es derzeit in Österreich, davon sind 257.900 Frauen und 44.000 Männer. Die Tendenz ist steigend – da jede zweite Ehe geschieden wird. Mit dem Bedürfnis, den eigenen Schmerz zu verarbeiten, müssen Alleinerziehende nach der Trennung verstärkt für die Kinder da sein – gleich ob das Kind in der Nacht fiebert, die Spaghettisoße auf das Sofa schmiert, Schwierigkeiten in der Schule hat oder aus Sehnsucht nach dem anderen Elternteil rebelliert.
Kein schlechtes Gewissen
Was immer man tut, es scheint nie genug zu sein? Nun ja, da gilt es wohl erst mal, den Anspruch an Perfektion abzulegen, sonst reibt man sich zu sehr mit Kleinigkeiten auf. Alleinerziehende sind selbst ihre wichtigste Ressource. Deshalb sollten sie Zeit für sich genauso einplanen wie den Besuch beim Kinderarzt. Aber woher diese Zeit nehmen? Indem Sie sich ein Fitnesscenter mit Kinderbetreuung suchen, in eine Wohnsiedlung mit vielen Kindern ziehen, in der ihre Sprösslinge immer wieder bei den Nachbarn spielen oder auch mal übernachten können. Vernetzen Sie sich mit anderen Müttern oder organisieren Sie einen Babysitter. Und wer weiß, vielleicht wartet bei einer Aktivität ein potentieller neuer Partner?
Bist du mein neuer Papa?
Freilich, leicht ist es sicherlich nicht: Denn ein neuer Partner muss nicht nur die Mutter beziehungsweise den Vater komplett annehmen und lieben, sondern auch das Kind und die gesamte Lebenssituation. Dies ist aber kein Grund, seine Ansprüche herunterzuschrauben. Jeder hat schließlich den besten Partner verdient. „Viele Frauen und Männer glauben, sie seien nach einer Trennung mit Kind persönlich gescheitert. Das vorrangige Gefühl ist nicht der Befreiungsschlag und der Stolz über die Entscheidung, sondern das Gefühl, es nicht geschafft zu haben. Das schlägt sich oft auf das Selbstbild und den Selbstwert.“
Ursula Schildmair vom Verein Alleinerziehend in Oberösterreich berichtet auch, dass viele frisch gebackene Singles mit Kindern sich zu schnell in eine neue Partnerschaft stürzen: „Die Angst vor dem Alleinsein, der Schmerz nach der Trennung und die Enttäuschung ist so groß, dass am schnellsten Weg wieder ein neuer Partner ins Leben muss. In der Praxis halten diese Beziehungen manchmal nicht lange, weil das alte noch nicht verarbeitet worden ist,“ so Schildmair. Aber auch eine schnell geschlossene neue Beziehung kann das eine oder andere Mal zur wertvollen Kraftquelle werden und sich als beständig erweisen.
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