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Gut, besser, gedopt? PDF Drucken E-Mail

Doping_Auf_sstHat sie oder hat sie nicht gedopt? Man braucht nicht besonders bösartig zu sein, um sich das zu fragen, wenn jemand mit einem lädierten Fuß startet und auch noch auf Platz eins landet – wie beim diesjährigen Wien-Marathon passiert. Die Antwort ist: Siegerin Andrea Mayr hat nicht gedopt, das zeigte der Test nach dem Lauf schwarz auf weiß. Dennoch sind Sieger nicht immer sauber...

Nicht nur das Prinzip des ehrlichen Siegens spricht für eine strenge Regulierung im Spitzensport, auch die Gesundheit der athletischen Aushängeschilder. Denn Doping kann lebensgefährlich sein bzw. sind die Langzeitfolgen nicht abschätzbar.

Natürlich setzen Spitzensportler nicht bei jedem Doping-Mittel beziehungsweise Verfahren im gleichen Maße ihre Gesundheit aufs Spiel. Blutdoping gilt laut NADA-Sprecher Müller als vergleichsweise eher harmlos. Bei Insulin schaut es schon anders aus: „Zwei Tropfen zuviel und man steht mit einem Fuß im Grab“, warnt Franz Stocher, Bahnradweltmeister des Jahres 2003. Als Doping-Beauftragter der Sportunion fordert Stocher deshalb dringend mehr Aufklärung.

Doping_Muskel_sstAuch Hobbysportler tun „es“

Sie glauben, die Verwendung leistungsfördernder Substanzen sei ein reines Problem des Spitzensports? Weit gefehlt. Doping geht uns alle an. Auch der Hobbyathlet hat seine Tricks. Zumal denen Doping ja niemand verbietet. Hier spricht man auch nicht von Doping, sondern von Medikamentenmissbrauch. Und die gesundheitlichen Risiken sind im Freizeitsport nicht nur ähnlich, vielleicht sogar schwerwiegender. Im Spitzensport wird unter Betreuung gedopt, während der Laie seine Infos und Hilfsmittel etwa aus dem Internet bezieht.

Man glaubt es kaum: Sogar zur EPO-Spritze soll so mancher ehrgeizige Amateur-Ausdauersportler greifen. Der italienische Anti-Doping-Experte Alessandro Donatis schätzt, dass bis zu 500.000 Athleten auf der ganzen Welt mit EPO nachhelfen. Da es nicht annähernd so viele Spitzensportler gibt, liegt der Schluss nahe, dass auch der eine oder andere ambitionierte Amateur-Radler EPO nimmt, um auf dem Sattel mehr zu leisten. Als Bezugsquelle dienen das Internet oder dubiöse Händler, die sich mittlerweile dadurch aber strafbar machen.

Verführerisch einfach erhältlich

Das klassische Doping-Mittel der Freizeitsportler gibt es aber in jeder Apotheke rezeptfrei: Es sind einfache Schmerzpillen, die bewirken, dass der Schmerzpunkt hinausgezögert wird. Fazit: Man kann länger und härter trainieren, was besonders für Marathonläufer interessant ist. Dumm nur, dass sich Schmerzmittel auf den Magen schlagen und die Kombination Pille und Sport per se nicht ganz ohne ist. Außerdem warnt Sportmediziner Bachl: „Der Schmerz ist ein natürliches Warnsymptom des Körpers, das man nicht ausschalten sollte.“

Doping_Singer_DTGedopt auf die Bühne

Spitzenleistungen werden aber nicht nur mit den Beinen erbracht. Doping als reines Sportproblem zu sehen, greift daher immer noch zu kurz. Wenn etwa Opernsänger von „fitspritzen“ sprechen, geht es meist um Cortison. Andere Künstler, aber auch die Werbebranche verlassen sich gerne auf den Schwarzmarkt und greifen zu Kokain, wie die Wiener Psychiaterin Margot Schmitz weiß: „Die Kreativen haben da ein gutes informelles Beschaffungssystem. Sie wollen mit Kokain ihre Grenzen ausloten und möglichst noch intensiver am Geschehen dran sein. Das geht oft über Jahre. Wobei mit langfristiger Einnahme die Fähigkeit, konstant eine hohe Leistung zu bringen, eher eingeschränkt ist.“

Der Zwang zu funktionieren

Und was machen jene, die keinen Zugang zu Drogen haben? Vor allem gestresste Vielarbeiter nützen laut Schmitz die gesellschaftlich anerkannte Droge Alkohol, um nach einem anstrengenden Arbeitstag wieder „runterzukommen“. „Tagsüber wird hart gearbeitet, abends kräftig ins Glas geschaut“, so Schmitz. „Es besteht eine Art Gruppenzwang unter Kollegen, am Abend noch gemeinsam trinken zu gehen – besonders in der Finanzwelt und unter Anwälten.“ Der kleine Mann unter Druck wiederum schluckt als Seelentröster schon einmal „Benzos“, also Benzodiazepine, das sind Beruhigungsmittel mit hohem Suchtpotenzial. Deren Konsum sei seit der Wirtschaftskrise enorm gestiegen, erzählt Schmitz. Der Grund liegt auf der Hand: Man muss schließlich „funktionieren“, um den Job zu behalten.

Neben der Gesundheitsgefährdung birgt der Griff zu solchen Helferlein allerdings noch ein anderes nicht zu unterschätzendes Risiko: Es könnten dadurch in der Wirtschaft ganz neue Leistungsstandards entstehen. Wenn der Kollege mit den Aufputschmitteln schneller arbeitet, sieht der Mitarbeiter ohne Pillen nämlich bald alt aus. „Hirngedopte Arbeiter werden an den ungedopten vorbeiziehen“, prophezeit denn auch der Sachbuchautor Hans-Christian Dany („Speed: eine Gesellschaft auf Droge“). Welch gruselige Vorstellung.

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